Wer wird Bundespräsident? Die Kandidaten

Die Kandidaten stehen, zumindest die Aussichtsreichsten. Es sind: Christian Wulff und Joachim Gauck. Zwei Konservative? Ja, aber Gauck tritt für die Opposition, also Sozialdemokraten und Grüne an. Eine interessante Kandidatur, hat doch Joachim Gauck auch bei vielen Konservativen einen guten Ruf. Die Wahl wird am 30.06. stattfinden. Die Mehrheit der CDU/CSU/FDP-Koalition, also des bürgerlichen Lagers ist denkbar knapp. Sie werden 647 der insgesamt 1244 Stimmen haben. 27 Konservative dürfen also abweichen.

Der Favorit: Christian Wulff
Der CDU-Kandidat ist seit 4. März 2003 Ministerpräsident in Niedersachsen und schon seit 7. November 1999 stellvertretender Vorsitzender der CDU. Christian Wilhelm Walter Wulff wurde am 19. Juni 1959 in Osnabrück geboren. Er hat Rechtswissenschaften mit Schwerpunkt Wirtschaftswissenschaft studiert und 1987 sein erstes Staatsexamen gemacht. Ab 1990 war er als Rechtsanwalt tätig.
Politisch trat Wulff das erste Mal zur niedersächsischen Landtagswahl 1994 in Erscheinung. Wie auch 4 Jahre später verlor er gegen Gerhard Schröder. 2003 trat er ein drittes Mal an und gewann diesmal gegen Siegmar Gabriel mit guten 48,3 % der Stimmen für die CDU.
Christian Wulff blieb als Ministerpräsident lange sehr farblos. Er zeigte sich als guter Finanzpolitiker, der allerdings nicht immer sozial ausgewogen agierte. So strich er 2005 das pauschale Blindengeld. Die heftigen Proteste nötigten ihn, seine Entscheidung ein Jahr später zumindest teilweise wieder rückgängig zu machen.
Entsetzen löste seine Äußerung in einer Talkshow bei Michel Friedman aus, als er meinte: „Ich finde, wenn jemand zehntausend Jobs sichert und Millionen an Steuern zahlt, gegen den darf man keine Pogromstimmung verbreiten”.
Foto: Martina Nolte


Der SPD-Coup: Joachim Gauck
Ein Freund Angela Merkels - wenn er gewinnt, schadet er ihr. Aber er will gewinnen und hat durchaus Chancen. Gauck wurde am 24. Januar 1940 in Rostock geboren und ist Pfarrer.
Der Sohn eines Seemanns war Mitbegründer des Neuen Forums und damit maßgeblich an den Umwälzungen in der DDR beteiligt. Am letzten Tag der DDR, dem 2. Oktober 1990, wurde Gauck zum "Sonderbeauftragten für die personenbezogenen Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes der DDR" gewählt. Den Job, dessen Name sich einige Male änderte führte er bis 2000 aus. Jochim Gauck ist nie einer Partei beigetreten und hat Angebote der SPD, auf deren Landesliste zur Bundestagswahl zu kandidieren, lehnte er ab.
Gauck wurde seit 1999 einige Male von CDU/CSU und FDP als Bundespräsidentschafts-Kandidat ins Gespräch gebracht.
Joachim Gauck hat sich 1997 erfolglos dagegen ausgesprochen, die Verjährungsfristen für mittlere Straftaten aus DDR-Zeiten zu verlängern. Ein Jahr später sprach er sich gegen die Beendigung der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit aus. Anlässlich der Finanzkrise 2008 wandte er sich gegen eine überzogene Kapitalismus-Kritik.

Foto: Dontworry













Vorzeige-Linke: Luc Jochimsen
Die 74-jährige in Nürnberg geborene Lukrezia Luise Jochimsen ist Soziologin, ehemalige Fernsehjournalitin und Politikerin. Am bekanntesten wurde Luc Jochimsen wohl, als Sie von 1994 bis 2001 Chefredakteurin beim hessichen Fernsehen war. 2002 kandidierte Sie bei den Bundestagswahlen als Spitzenkandidtin in Hessen für die Linke. Den Einzug in den Bundestag erreichte Sie für die Linke 2005 auf der Landesliste Thüringens. Auch im aktuellen Bundestag ist Luc Jochimsen vertreten.










Der Chancenlose: Frank Rennicke
Der am 18. Dezember 1964 in Braunschweig geborene rechte Liedermacher wurde von der NPD aufgestellt. 3 Stimmen dürften ihm sicher sein, denn so viele Stimmen hat die NPD in der Bundesversammlung. Rennecke wurde von 2000 bis 2003 dreimal wegen Volksverhetzung verurteilt. Diese Urteile kassierte das Bundesverfassungsgericht 2008 mit Hinweis auf die Meinungsfreiheit.

Foto: Marek Peters