Stell Dir vor, Du buchst eine Reise und tags darauf ist Dein Girokonto geplündert

Es ist schon erschreckend wie genau Internetnutzer aufpassen müssen, um nicht über den Tisch gezogen zu werden.

Wer auf Schnäppchenjagd geht, sollte immer abwägen, ob das Schnäppchen wirklich günstig ist.

Heute geht es um Angebote, die dem Nutzer einen gewissen Preisvorteil gewähren. Auf Internetportalen kann der User Flug und Hotel oder auch Mietwagen zusammen buchen. Im Reisebüro geht das natürlich auch. Entscheidend ist dabei, dass Internetportal bzw. Reisebüro in diesem Fall als Reiseveranstalter auftreten müssen. Dies hat neben der Pflicht einen Sicherungsschein auszugeben vor allem eine deutlich höhere Produkthaftung zur Folge.

Grundlage ist die EU-Richtlinie 90/314/EWG, in der im Artikel 2 geklärt ist, was eine Pauschalreise, was ein Reiseveranstalter und was ein Reisemittler ist.

Eine Pauschalreise ist "die im voraus festgelegte Verbindung von mindestens zwei der folgenden Dienstleistungen, die zu einem Gesamtpreis verkauft oder zum Verkauf angeboten wird, wenn diese Leistung länger als 24 Stunden dauert oder eine Übernachtung einschließt:
a) Beförderung,
b) Unterbringung,
c) andere touristische Dienstleistungen, die nicht Nebenleistungen von Beförderung oder Unterbringung sind und einen beträchtlichen Teil der Gesamtleistung ausmachen."
Besonders der folgende Satz ist dabei interessant:
"Auch bei getrennter Berechnung einzelner Leistungen, die im Rahmen ein und derselben Pauschalreise erbracht werden, bleibt der Veranstalter oder Vermittler den Verpflichtungen nach dieser Richtlinie unterworfen."

Reiseveranstalter ist nach dieser Richtlinie "die Person, die nicht nur gelegentlich Pauschalreisen organisiert und sie direkt oder über einen Vermittler verkauft oder zum Verkauf anbietet."

Eine Reisevermittler hingegen ist nur "die Person, welche die vom Veranstalter zusammengestellte Pauschalreise verkauft oder zum Verkauf anbietet."

Expedia bietet solche Leistungen unter dem Begriff "Click & Mix" an.

Machen wir also die Probe bei Expedia: Ich habe Flug + Hotel von Dresden nach Palma de Mallorca vom 25. August bis 8. September 2012 abgefragt und bekomme nun verschiedene Angebote in denen ein Flug und ein Hotel kombiniert werden.


Wir sehen eine Kombination aus Flug und Hotel, die zu einem Gesamtpreis verbunden worden sind. Es handelt sich um ein Spezialangebot, das Expedia dynamisch selbst gestrickt hat. Dazu werden Flüge undH Hotelkapazitäten, sowie Preise abgefragt und die Leistungen entsprechend verknüpft. In der Regel bekommt man dann als Reiseveranstalter einen günstigeren Preis, was Expedia an den Kunden weitergibt.

Ach, übrigens, während ich mich mit dem Angebot beschäftige, ist der Preis gerade um 53 ct. gefallen - wie schön. Auf der nächsten Seite kommt dann der Beleg, dass es sich um eine Pauschalreise handelt.


Expedia selbst handelt aber nach seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen nur als Reisevermittler. Wer ist also der Reiseveranstalter? Aufschluss gibt ein Klick auf die AGB. Der Veranstalter heißt Travelscape LLC und sitzt in Las Vegas. Dieser Reiseveranstalter überrascht mit einigen Klauseln, die zumindest gewöhnungsbedürftig und zum Teil rechtlich zumindest umstritten sein dürften. So ist es völlig egal, wann die Reise stattfindet. Auch wenn sie erst in einem haben Jahr beginnt, hat der Veranstalter eine nette Überraschung parat: "Soweit den besonderen Internetangeboten nicht etwas anderes zu entnehmen ist, ziehen wir den vollen Restreisepreis sofort ein." Dann kann der Veranstalter also 6 Monate lang mit dem Geld der Reisenden in Las Vegas zocken. Hoffentlich zu Reisebeginn ist dann noch etwas da.

Des weiteren behält sich der Reiseveranstalter ausdrücklich vor, "aus sachlich berechtigten, erheblichen und nicht vorhersehbaren Gründen vor Vertragsschluss eine Änderung der Hotelangaben zu erklären, über die wir Sie vor der Buchung Ihrer Reise selbstverständlich informieren werden." Leider hat der Reiseveranstalter ganz vergessen, darauf hinzuweisen, dass damit ein neuer Vertrag zustande kommt, den der Kunde nicht annehmen muss. Anders ist dies nur, wenn der die Änderung nicht wesentlich ist und den Zuschnitt der Reise nicht verändert. Andernfalls ist Veranstalter verpflichtet, den Reisevertrag zu erfüllen. Kann er das nicht, muss er dem Kunden etwas gleichwertiges anbieten, wenn er dazu in der Lage ist. Der Kunde wiederum ist aber nicht verpflichtet, diese Alternative anzunehmen. Man stelle sich bitte vor, was abgeht, wenn man jetzt also vom Vertrag zurücktritt. Das Geld liegt in Las Vegas...

Noch eine spannende Erklärung habe ich in den AGB gefunden. Die Kategorisierung der Hotels erfolgt nach nordamerikanischem Standard. Das ist nicht schlimm, zumal die AGB auch Erklären, was man bei wie viel Sternen erwarten kann, nur leider gibt es bei der Hotelauswahl keinerlei Hinweise zu dieser im deutschen Raum eher ungewöhnlichen Kategorisierung.

"Bitte informieren Sie sich vor Reiseantritt über die Bestimmungen von Pass-, Visa-, und Gesundheitsvorschriften sowie deren eventuelle Änderungen. Für die Einhaltung aller für die Durchführung der Reise wichtigen Vorschriften sind Sie selbst verantwortlich." Das ist erst einnmal nicht falsch, allerdings muss der Reiseveranstalter die Informationen zur Verfügung stellen.

Immerhin ist der Gerichtsstand in München. Auch was die Stornobedingungen betrifft, habe ich schon schlimmeres gelesen. Bis vier Monte vor Reisebeginn nimmt Travelscape LLC nur eine Bearbeitungspauschale von 15 €. Danach staffelt sich die Gebühr zwischen 20 und 75 %. Am Reisetag selbst sind 100 % fällig.

Und noch was. Bei Flugreisen ist es nicht möglich, eine Ersatzperson zu bestimmen, was bei einigen Airlines auch tatsächlich ein Problem ist. Bei meinem Beispiel mit Air Berlin ist das aber durchaus möglich. Hier lohnt es sich sicher mit dem Veranstalter zu verhandelt. Der ist übrigens unter unverschämt teure deutsche Servicehotlines (14 ct/Minute) erreichbar.

Und die anderen Portale? Opodo nennt sein Angebot Flug und Hotel. Hier tritt Opodo Madrid oder London als Veranstalter auf. Auch Opodo setzt auf teure Servicehotlines. Wer zurücktreten möchte, zahlt hier bereeits ab Buchung mindestens 20 % des Reisepreises. Auch Opodo nutzt den Kunden als Liquiditätsesel: "Kombi Flug & Hotel Leistungen sind bei Erhalt der Buchungsbestätigung und des Sicherungsscheins nach § 651k Abs. 3 BGB zur Zahlung fällig." Das dürfte kaum mit dem BGB in Einklang zu bringen sein.

Viel spannender ist aber die Klausel zum Lastschriftverfahren: "Bei Zahlung im Lastschriftverfahren wird Opodo zwecks Kreditprüfung eine Bonitätsauskunft bei der Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG (Bürgel/BWI), Postfach 50 01 66, 22701 Hamburg, einholen. Aufgrund unseres berechtigten Interesses wird die BWI die in der Bürgel-Datenbank zu Ihrer Person gespeicherten Adress- und Bonitätsdaten einschließlich solcher, die auf Basis mathematisch-statistischer Verfahren ermittelt werden, zur Verfügung stellen. Opodo erhält von BWI lediglich eine Bewertungszahl (Scoringpunkt), die auf die Bonität schließen lässt. Sie werden unterrichtet, wenn wir Ihren Auftrag wegen dieser Auskunft nicht annehmen können." Nun diese Auskunft könnte Opodo viel günstiger haben, in dem es einfach abbucht. Ob das Interesse tatächlich berechtigt ist, kann man bezweifeln, denn es geht ja nicht darum, die Bonität für die Zukunft zu ermitteln. Der Zahlungsausfall würde ja sofort eintreten. Wahrscheinlich ist das Ergebnis einer Abbuchung im Lastschriftverfahren schneller da, als die teure Auskunft. Eine spannende Frage zum Datenschutz: Was passiert mit der Scoringzahl eigentlich nach dem Geschäftsvorgang?

Unter dem Punkt "Die Website, Anwendbares Recht" wird darauf hingewiesen, dass die Webseite von Opodo, das in London und Madrid ansässig ist, betrieben wird. Nicht ersichtlich ist, ob das auch für den Gerichtsstand zutrifft. Rechtliche Auseinandersetzungen möchte Opodo bei der kostenlosen Reiseschiedsstelle austragen. Einen Versuch ist es sicher wert. Nur was, wenn man dort nicht weiterkommt? Auch beim Angebot von Opodo gibt es also durchaus Fallen, über die man sich im Zweifel zumindest bewusst sein sollte.

Auch ab-in-den-urlaub.de bietet eine Kombination aus Flug und Hotel. Hier wird wie so oft bei Unister erst einmal der tatsächiche Preis verschleiert. Es werden zunächst nur die Hotels angezeigt mit ab Preisen, die suggerieren, einen sagenhaft günstigen Kombi-Preis gefunden zu haben.

Zum Beispiel:

Leider ist das nicht einmal ansatzweise der Endpreis, denn anders als man glauben könnte, kostet das Hotel Portofino inkl. Flug deutlich mehr als 583 €. Unister hat nämlich einfach die Berechnung des Fluges auf Buchungsschritt zwei verlegt:


Richtig, die Reise ist gerade um 344 € teurer geworden. Der Fairness halber muss ich sagen, dass ich bei einem späteren Test solche Preissprünge nicht gefunden habe. Wahrscheinlich war dies also Zufall. Die Preise sind offenbar tatsächlich während der Buchungsabfrage bzw. seit der letzten bei ab-in-den-urlaub eingegangenen Anfrage so sprunghaft gestiegen. Das zeigt aber auch, dass man während des Buchungsvorganges sehr genau prüfen sollte, ob man wirklich noch das ursprünglich gewünschte Angebot vorliegen hat.

Werfen wir einen Blick auf die AGB. Reiseveranstater ist Urlaubstours, ein Unternehmen der Unister-Gruppe. Auch hier muss der Reisepreis unabhängig vom Reisetermin sofort vollständig bezahlt werden. Dies dürfte mit dem deutschen Recht nicht vereinbar, sein weil Vorauszahlungen nach BGB § 266 generell nicht erlaubt sind. Allerdings gibt es die Möglichkeit, sich Vorleistungen entsprechen bei Reisevertragsabschluss bezahlen zu lassen. Wegen der besonderen Bedingungen in der Reiseindustrie darf die Restzahlung bereits in einer angemessenen Zeit vor Reisebeginn verlangt werden. 6 Monate vor Reisebeginn dürfte dabei allerdings nicht gemeint sein.

Wer ein Problem mit Unister/Urlaubstours hat, darf gern eine teure Servicehotline anrufen. Das kann sich schon allein deshalb lohnen, sich die AGB vorlesen zu lassen, denn die sind so klein geschrieben, dass es den Augen weh tut. Und dann kommt der nächste Hammer: Wer bei Unister sagen wir mal 5 Monate vor Reisebeginn zurücktritt, zahlt 60 % des Reisepreises als Stornogebühr! Ab dem 29. Tag vor Reisebeginn werden es dann gestaffelt 65 bis 100 % des Reisepreises. Ach und weil das noch nicht genug ist, werden die Pauschalen dann noch auf volle Euro aufgerundet. Urlaub ohne Nebenwirkungen? Aber nicht bei Unister.

Ein weiterer Satz ist in den AGB ist nicht falsch, wenn er nicht falsch ausgelegt wird: "Soweit eine örtliche Vertretung und/oder Reiseleitung vorhanden ist, ist diese nicht befugt, Ansprüche anzuerkennen." Das stimmt, aber sie ist hoffentlich berechtigt, Ansprüche entgegenzunehmen und dem Gast so den teuren Anruf in Leipzig zu ersparen.

Fazit durch die Kombination aus Flug und Hotel lässt sich meist Geld sparen. Allerdings sind die Geschäftsbedingungen zum Teil nicht besonders verbraucherorientiert und teilweise kristikwürdig. Was die Internetportale hier mixen, ist übrigens keine Zauberei und auch vom Reisebüro um die Ecke zu bekommen, eventuell zu günsitgeren Zahlungs- und Storno-Konditionen. Auch in diesem Fall lohnt sich der Gang ins Reisebüro, denn wer faul ist, zahlt am Ende eventuell drauf.