Wenig neue Impulse aus der Nacht

Die Daten aus der Nacht gaben wenig Impulse. So wirkten in Asien Donalds Trumps Dekrete vom Freitag nach.

Chinas Dienstleistungssektor konnte im Januar weiter kräftig wachsen, blieb aber ein bisschen unter den Erwartungen. In Australien enttäuschten die Einzelhandelsumsätze mit -0,1 % im Dezember.

Dem gegenüberstanden deutlich festere Aktien aus dem Finanzsektor. Die Marktteilnehmer reagierten auf die Dekrete zur Lockerung der Regulierung im Finanzmarkt, welche US-Präsident Trump am Freitag unterschrieb, positiv. 

Beeindruckende Zahlen kommen aus Deutschland. Die Industrieaufträge legten im Dezember um 5,2 % zu. 

Die meisten Aktienmärkte im Osten holten also die freudige Reaktion der Wall Street vom Freitag nach. Das die Freude nicht von Dauer sein könnte, zeigte der S&P 500-Future, der auf der Stelle trat.

Der Dax zeigte sich schon am Freitag sehr zurückhaltend und holte die Gewinne am US-Markt nicht nach. Der Protektionismus, der vielleicht bald größere Teile der Welt als die USA bestimmen könnte, macht den Marktteilnehmern Sorgen. Am Wochenende startete Marie Le Pen vom rechtsextremen Front National ihren Wahlkampf zur französischen Präsidentschaftswahl und es wird klar: Sollte Le Pen Präsidentin werden, bleibt nichts in Europa wie es war. Und die Chancen für die Rechtsauslegerin sind in den letzten tagen nicht gesunken, im Gegenteil. Der konservative François Fillon zerlegt seine Chancen auf das höchste Amt im Staate gerade mit einer Affaire, die wohl der Hauptgrund ist, warum Menschen aller Schichten die Nase von der aktuellen Politik voll haben. Bei Fillon geht es darum, dass er als Ministerpräsident wohl seine Ehefrau "beschäftigte" und rund 800.000 Euro zahlte. Was seine Frau dafür tat, bleibt im Dunkeln. Das sind genau die Dinge, welche die Wähler zur Zeit zu Radikalen wie Trump, Le Pen und Wilders treiben.

Und es dürfte den Marktteilnehmer Angst machen. Je näher die Wahl in Frankreich kommt, desto nervöser könnte besonders der Dax werden. Der freie Handel könnte schweren Schaden nehmen, was besonders für ein Exportland wie Deutschland große Gefahren mit sich bringt. Erstaunlich ist, dass die deutsche Industrie sehr gelassen auf die Ankündigungen in den USA reagiert und offenbar keinen Handlungsbedarf sieht. Zur Beruhigung der Märkte scheint dies aber eher nicht beizutragen.

Der Dax, der schon am Freitag die Gewinne der Wall Street nicht mitmachen konnte, startet auch heute vorbörslich eher zurückhaltend und gibt im Vergleich zu Freitagabend einige Punkte ab.

Generell ist die Entscheidung noch nicht gefallen, aber ein Test der 11.600 könnte durchaus anstehen. Ein Bruch würde den deutschen Index Richtung 11.515/400 führen. Dies wäre charttechnisch noch nicht dramatisch, Erst ein Bruch könnte den Leitindex deutlich unter 11.000 Punkte führen.



EUR/USD gibt leicht nach, bleibt aber im Aufwärtstrendkanal, dessen untere Begrenzung bei 1,07 zu finden ist.


Auf der Oberseite müsste die 1,0850 gebrochen werden, damit der Weg eventuell sogar bis 1,1140 möglich ist. Viel wird hier davon abhängen, wie die Trump-Administration ihre Infrastrkturprojekte und die Steuerreformen finanzieren will.


Generell werden die märkte wohl auch in dieser Woche oft zum Weißen Haus blicken müssen. Dabei wird immer deutlicher, dass nicht jedes Dekret am Ende auch in Politik gegossen werden wird. Eines kommt aber wohl mit schöner Konstanz aus den USA: Unsicherheit, und das ist Gift für die Märkte. Die dilettantisch in den USA aktuell Politik gemacht wird, zeigte das Hickhack um den von Trump verfügten Einreisestopp für Bürger von sieben überwiegend muslimischen Ländern.

Ansonsten ist heute nicht viel los. Mario Draghi und Patrick Harker, der dieses Jahr im FOMC stimmberechtigt ist, halten Reden. Das war es schon.


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